Stomaversorgung

Was ist ein künstlicher Darmausgang?

In der Medizin wird ein künstlicher Darmausgang als „Stoma“ (griech.: Mund, Öffnung) bezeichnet.   Hier wird durch eine operativ angelegte  Öffnung in der Bauchdecke der Stuhl nach außen abgeleitet. Ein künstlicher Darmausgang bezeichnet aber auch weitere künstliche Ausgänge wie die der Blase oder der Luftröhre.

Wann und warum ist ein Stoma nötig?

Für eine Stomaversorgung gibt es verschiedene Ursachen: Darmentzündungen, Erkrankungen am Darm wie z.B. Darmverschluss oder Krebs können eine Operation mit Anlage eines künstlichen Darmausgangs erfordern.
Oft können aber auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) die Ursache für einen künstlichen Darmausgang sein. Dabei werden bestimmte Darmabschnitte von der Stuhlpassage ausgeschlossen. Der Darmausgang wird dabei vor die betroffene Darmpassage gelegt. Dies kann im Dünndarmbereich oder im Dickdarmbereich geschehen.

Was ist der Unterschied zwischen Colostoma und Ileostoma?

Zu den häufigsten Formen des künstlichen Darmausgangs gehören der künstliche Dickdarmausgang (Colostoma) und der künstliche Dünndarmausgang (Ileostoma). Welches Stoma letztendlich für den Patienten verwendet wird, richtet sich danach, welcher Darmabschnitt betroffen ist. Ein Stoma wird in den meisten Fällen nicht dauerhaft angelegt, es kann also wieder zurückverlegt werden.

Das Colostoma kann entweder endständig oder doppelständig angelegt werden. Dies richtet sich nach Indikation und Operationstechnik.
Bei einem endständigen Stoma wird der erkrankte Teil des Darms entfernt und der Darm wird ausgeleitet. Daher befindet sich in der Bauchhaut nur eine Öffnung.
Ein doppelläufiges Stoma kann verwendet werden, wenn ein Teil des Darmes ausgeschaltet werden soll. Dabei wird eine eröffnete Darmschlinge durch die Bauchhaut nach außen gezogen und fixiert, sodass zwei miteinander verbundene Öffnungen entstehen. Den stuhlfördernden Abschnitt bezeichnet man als zuführende Schlinge, der Stuhl wird ausgeleitet. Den stillgelegten Abschnitt nennt man abführende Schlinge, dieser wird durch die Ausleitung  des Stuhls abgeschaltet.
Diese Form wird nur vorübergehend angelegt, es kann wieder zurückoperiert werden.

Als Ileostoma bezeichnet man die Ausleitung des Dünndarms. In den meisten Fällen wird das Ileostoma doppelläufig angelegt. Das doppelläufige Stoma wird als Loop-Ileostoma bezeichnet, es ist ein temporäres Dünndarmstoma. Dabei wird  über die vor die Bauchhaut gezogene Dünndarmschlinge (Loop) der Stuhl für eine begrenzte Zeit abgeleitet. Nach 2-3 Monaten kann das Stoma nach Prüfung der Kontinenz operativ zurückverlegt werden.

Was ist ein Urostoma?

Nach bestimmten Operationen und bei einigen Erkrankungen wie z.B.  Blasen- oder Genitalkarzinome, Strahlenschäden oder Verletzungen muss der Harn künstlich abgeleitet werden. Die Harnableitung erfolgt hier über die Bauchdecke. Das wird als Urostoma bezeichnet. Ein Urostoma wird eingesetzt, wenn die normale Harnausscheidung eingeschränkt ist oder wenn die Harnblase bereits entfernt wurde. Ein Urostomiebeutel besteht aus drei Folien mit integrierter Rücklaufsperre für den Harn und einem Bodenauslasshahn, welcher sich mit Hilfe eines Adapters an einen Nacht- oder Beinbeutel anschließen lässt.

Dabei unterscheidet man zwischen zwei Verfahren: Inkontinente oder kontinente Harnableitungen.
Zu den inkontinenten Harnableitungen gehören Zystostomie, Ileum-Conduit bzw. Kolon-Conduit sowie Harnleiterhautfistel.

Was versteht man unter einer Zystostomie?

Die Zystostomie bezeichnet die suprapubische Harnableitung mittels Katheter und ist die gebräuchlichste Form des Urostomas. Sie wird angewendet, wenn eine Ableitung des Harns für ein paar Tage nötig ist. Dies kann der Fall sein, wenn aus technischen Gründen nicht mehr katheterisiert werden kann.

Was passiert bei einem Ileum-Conduit?

Beim Ileum-Conduit werden die Harnleiter, nachdem die Harnblase entfernt wurde, in ein ausgeschaltetes Stück vom Dünndarm eingepflanzt, das als Conduit bezeichnet wird. Da das Segment keine Reservefunktion hat, fließt Urin permanent in einen Stomabeutel („feuchtes Stoma“). Wird dieses Segment aus dem Dickdarm entfernt, bezeichnet man es als Kolon-Conduit.

Was versteht man unter Harnleiterhautfisteln?

Bei Harnleiterhautfisteln handelt es sich um die einfachste Option einer Harnableitung. Dabei wird ein Harnleiter durch die Bauchdecke nach außen geleitet, dies geschieht ein- oder zweiseitig. Es kann ebenfalls ein Harnleiter mit dem anderen verbunden werden, sodass nur eine Ausleitung nötig ist. Harnleiterhautfistel werden bei inoperablem Tumor im kleinen Becken angewendet.

Kontinente Harnableitungen unterscheidet man zwischen Mainz-Pouch, Neoblase sowie Uretersigmoidostomie, die besonders bei Kindern und Frauen angewendet wird.

Was versteht man unter einem Mainz-Pouch?

Bei einem Mainz-Pouch I wird der Harn innerhalb des Körpers gespeichert und fließt nicht zurück. Die Speicherung geschieht innerhalb des Pouches (engl. Tasche, Beutel), es ist eine Art „Ersatzblase“, die operativ herbeigeführt wird. Bei Männern werden dabei Harnblase, Prostata und Samenblasen, bei Frauen Harnblase, Gebärmutter mit Eierstöcken und Harnröhre entfernt.
Die Harnleiter werden mit dem Urin aus den Nieren am zuführenden Abschnitt implantiert, ein ausführender Teil stellt die Verbindung nach außen dar. Pouches schützen den oberen Harntrakt und ermöglichen eine Kontinenz ohne Einschränkung der sozialen und körperlichen Aktivitäten.
Mit der Anlage eines Mainz-Pouchs II wird der Harnleiter an den Enddarm angeschlossen, sodass Urin und Stuhl zusammen über den Enddarm ausgeschieden werden. Der Schließmuskel des Afters ist dann für die Kontinenz zuständig. Außerdem wird eine Sigmaschleife eröffnet, isoliert und zum Reservoir geschlossen.

 

Was versteht man unter einer Neoblase?

Die Neoblase schließt die Blase kontinent an die Harnröhre an. Voraussetzung für die Anlage ist, dass die Harnröhre nicht von einem Blasenkarzinom betroffen ist. Ansonsten muss sie entfernt werden und ein Pouch muss angelegt werden. Im Gegensatz zu einer Mainz-Pouch Anlage sind die Patienten nicht auf Hilfsmittel wie z.B. Katheter angewiesen.
Ein ca. 60 cm langer Darmabschnitt wird isoliert und dann längs aufgeschnitten und vernäht, sodass eine Kugel entsteht. Die neu entstandene Blase nimmt die normale Urinmenge auf. Anschließend werden die Harnleiter im oberen Bereich der Neoblase eingesetzt und die Harnröhre im unteren Bereich angeschlossen. Zur Schonung der Nähte und Spülung der Blase werden Katheter eingelegt, die jedoch nach zwei bis drei Wochen wieder gezogen werden, sodass der Patient ganz normal Wasser lassen kann.

Was versteht man unter einer Uretersigmoidostomie?

Als Uretersigmoidostomie wird eine operativ angelegte Verbindung zwischen den Harnleiter und dem Dickdarmabschnitt vor dem Enddarm, das Colon sigmoideum, bezeichnet. Damit wird ein Zurücklaufen von Urin und Stuhl mit darauffolgender Nierenbeckenentzündung verhindert. Somit fließt der Urin zusammen mit dem Stuhl über den Enddarm ab.

Was versteht man unter einer Nierenfistel?

Eine künstliche Harnableitung kann auch durch die Nieren erfolgen. Dabei wird bei einer Operation durch die Haut ein vorübergehender oder dauerhafter künstlicher Ausgang des Urins aus der Niere angelegt, dies wird als Nierenfistel bezeichnet.
Dabei werden unter einer Ultraschallkontrolle sterile Katheter in das Nierenbecken eingelegt, um den Harn abzuleiten. Die Fistelversorgung erfolgt über Bett- und Beinbeutelsysteme.
Die Nierenfistel verhindert den Rückstau von Urin, was zu einem hohen Flüssigkeitsdruck führt und dadurch das Gewebe schädigen kann.

Wie wird ein Stoma versorgt?

Eine große Palette an unterschiedlichen Stomaprodukten ermöglicht eine adäquate und individuelle Versorgung. Unsere examinierten Krankenschwestern verfügen über mehrjährige Erfahrung und wissen, was für eine optimale Versorgung wichtig ist.
Die neue Versorgung wärmt man am besten 30 Sekunden lang am Bauch mit der Hand an. So erhält der Patient eine optimale Haftung.

Stomabeutel unterscheiden sich in Material und Ausstattung und richten sich nach den persönlichen Bedürfnissen des Patienten. Dabei wird konkret zwischen einteiligen und zweiteiligen Versorgungssystemen unterschieden.

Einteilige Versorgungssysteme bestehen aus einem Stomabeutel, welcher mit einer Hautschutzplatte verbunden ist. Sie werden unterteilt in offene Systeme (Ileostoma) und geschlossene Systeme (Colostoma).
Ein offener Beutel (Ausstreifbeutel) kann bis zu einem Tag auf der Haut verbleiben. Das Ausstreifen des Inhaltes gewährleistet die Haltbarkeit der Basisplatte.
Geschlossene Beutel können je nach Haftung der Basisplatte und Inhalt des Beutels maximal einen Tag auf der Haut bleiben, da das Beutelvolumen sehr gering ist. Geschlossene Beutel gibt es in transparent, hautfarben oder gemustert sowie in verschiedenen Größen und Formen.

Zweiteilige Versorgungssysteme bestehen aus einer Basisplatte und einem Beutel, welcher an der Platte angebracht wird. Die Basisplatte wird alle zwei bis drei Tage gewechselt, der Beutel täglich. Die Hautschutzplatte ist in einer planen (ebenen) und einer konvexen (gewölbten) Ausführung erhältlich. Stomata, die das Hautniveau überragen, lassen sich am sichersten mit einem planen Hautschutz versorgen, wenn keine Falten, Vernarbungen oder Unebenheiten im Bereich des Stomas vorliegen. Stomaanlagen auf Hautniveau oder in Falten und Narben sollten mit einem konvexen Schutz versorgt werden. Die Wölbung passt sich in die trichterförmige Vertiefung und die Konturen des Stomas an. Konvexe Produkte unterscheiden sich in Tiefe und Form. Der Unterscheid zwischen einer starrer (integrierte Kunststoffringe) und einer soften Konvexität ist relevant, da sich das Trageverhalten unterscheidet. Bei den softkonvexen Produkten wird die Wölbung durch eine flexible Verstärkung oder einen dickeren Hautschutz erreicht. Die Softkonvexität lässt sich durch plane oder konvexe Hautschutzringe oder modellierbare Hautschutzstreifen herstellen, welche direkt um den Stomaausschnitt des planen Hautschutzes angebracht werden.
Die Hautschutzplatte gibt es auch in einer konkaven Ausführung. Diese passt sich nach außen gewölbten Körperformen optimal an.

Welche Komplikationen können mit einem Stoma einhergehen?

Die häufigsten Komplikationen beim Tragen eines Stomas sind Hautreizungen. Entzündungen sowie Ekzeme rund um das Stoma entstehen durch den Kontakt mit Stuhl. Dieser ist vor allem bei Ileostomien sehr aggressiv, da der Stuhl aus dem Dünndarm einen hohen Gehalt an Gallensäuren aufweist. Daher ist es wichtig, dass der Stomaträger die Versorgung beherrscht und Veränderungen identifizieren kann. Ebenso können Hautreizungen durch klebende Versorgungssysteme oder zu häufiges Wechseln der Stomaversorgung entstehen.

Andere mögliche Komplikationen sind die Stomaretraktion und Stomaprolaps. Bei der Stomaretraktion zieht sich der Darm unter das Hautniveau, die Gefahr einer Bauchfellentzündung besteht. Daher muss das Versorgungssystem angepasst werden oder das Stoma muss operativ neu angelegt werden.
Bei einem Stomaprolaps schiebt sich der Darm ca. 20 cm aus dem Stoma heraus, zieht sich dann aber nicht mehr zurück. Je nach Ausdehnung wird der Vorfall konservativ oder chirurgisch therapiert. In manchen Fällen ist es möglich, den Darm in den Bauch zurück zu massieren.

Welche Ernährung sollte man mit einem Stoma beachten?

Im Allgemeinen müssen Stoma Patienten keine Diat führen. Nach der Operation muss sich der Darm erst an die veränderte Situation gewöhnen. Daher kann es gerade am Anfang zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen kommen. Es wird empfohlen, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag zu sich zu nehmen, der Darm wird dadurch entlastet und mehrere Mahlzeiten werden besser vertragen. Auch das Verzichten auf Spätmahlzeiten beruhigt den Darm, dadurch wird das lästige Aufstehen zum Entleeren des Stomabeutels vermieden.
Außerdem sollte der Patient den Versorgungswechsel vor den Mahlzeiten planen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass während der Mahlzeiten eine Ausscheidung stattfindet.
Im Allgemeinen sollte der Patient keine faserhaltigen sowie blähenden Lebensmittel zu sich nehmen, da sich sonst der Stomabeutel aufbläht. Außerdem ist es wichtig, dass die Nahrung gut zerkaut wird. Zerkleinerte Nahrung wird besser im Darm transportiert und verdaut.
Bestimmte Nahrungsmittel, die schon vor der Operation nicht vertragen wurden, sollten auch nach der Stoma Operation vermieden werden.
Der Flüssigkeitshaushalt muss auch beim Tragen eines Stomas beachtet werden: Für die ausreichende Trinkmenge gilt 1-1,5 Liter Urinausscheidung. Nicht zu empfehlen sind stark alkohol-, zucker- und kohlensäurehaltige Getränke sowie kalte Getränke, diese wirken abführend. Auch säurehaltige Säfte sind nicht zu empfehlen, diese können die Haut angreifen.

Praktische Tipps und Informationen für den Alltag

Wichtig für eine adäquate Selbstversorgung im Alltag sind eine individuelle Beratung und Schulung durch Fachkräfte. Bereits in der Anleitungsphase möchten Pflegende den Patienten Eigenverantwortung und Selbstständigkeit im Umgang mit dem Stoma beibringen, womit sie im weiteren Verlauf profitieren können. Relevante Themen wie  verschiedene Beutelsysteme, Tipps für Freizeit und Berufsleben werden mit dem Patienten besprochen und wiederholt.
Im Allgemeinen wird empfohlen immer eine Ersatzversorgung bei sich zu führen, so fühlt sich der Patient sicherer.

Alltägliche Dinge wie das Duschen und Baden sind uneingeschränkt möglich. Eine Voraussetzung ist, dass das Material sicher haftet und der Patient mit diesem im Alltag gut zu Recht kommt. Jedoch sollte nach längerem Kontakt geprüft werden, ob der Hautschutz durch die Feuchtigkeit angegriffen wurde und deshalb eventuell erneuert werden muss. Materialien, wie der Stomabeutel, saugen sich nicht mit Wasser auf und können nach dem Duschen oder Baden einfach abgetrocknet werden.
Einzig der im Beutel enthaltende Aktivkohlefilter muss vor dem Kontakt mit Wasser abgeklebt werden, die passenden Aufkleber liegen den Beutelverpackungen bei. Nach dem Baden kann die Abklebung wieder entfernt werden. Baden sollte der Patient immer mit Versorgung, da Stuhlausscheidungen eine Harnwegsinfektion auslösen können.
Duschen ist ohne Stomaversorgung möglich: Der Duschstrahl sollte jedoch nicht direkt auf die Stomaschleimhaut gerichtet werden, da dies zu Verletzungen und Reizungen führen kann.

Wie sollte das Stoma gereinigt werden?

Für die Reinigung des Stomas sollten nur Wasser und weiche Einweg-Materialien verwendet werden. Für die Haarentfernung werden Enthaarungscremes oder Rasierschaum nicht empfohlen, der Patient sollte immer vom Stoma weg rasieren.

Können sportliche Aktivitäten ausgeführt werden?

Sportliche Aktivitäten beeinflussen die Lebensqualität des Patienten positiv. Ausdauersportarten wie Radfahren, Wandern oder Schwimmen kann der Patient ohne Einschränkungen ausüben. Diese Sportarten haben einen positiven Einfluss auf die Genesung, stärken die Muskulatur, erhöhen die Ausdauerleistung und fördern die Kondition. Um keinerlei Ausdauerleistung und Körperkraft zu verlieren, ist es wichtig, den Stomaträger zu ermutigen.

Welche Sportarten sollten nicht ausgeführt werden?

Im Allgemeinen sollten Sportarten, die die Bauchdecke extrem belasten, vermieden werden um einen Stomaprolaps zu verhindern. Dazu gehören Gewichtheben, Sit-ups und Geräteturnen.
Nicht zu empfehlen sind  Sportarten bei denen ein Schlag oder Stoß auf das Stoma möglich ist wie z.B. Boxen, Ringen, Judo, Kickboxen. Bei Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball oder Tennis kann der Stomaträger eine passende Stomabandage mit Protektor verwenden. Durch den Aufprall eines Balls kann es am Stoma zu Blutungen oder Verletzungen kommen.

Welche Hilfsmittel können beim Sport verwendet werden?

Kegeln oder Badminton kann mit Hilfe eines Stomagürtels oder einer –bandage ausgeübt werden.
Schwimmen wird mit Hilfe spezieller Badebekleidung ermöglicht. Für Männer empfehlen sich hochgeschnittene Badehosen, die das Stoma bedecken. Wird die Stomaversorgung nicht durch diese bedeckt, kann der Stomaträger auf spezielle Sport- und Schwimmgürtel oder Bade-T-Shirts zurückgreifen. Die spezielle Bademode beinhaltet eine Tasche, die den Stomabeutel aufnimmt und stützt. Bei „normaler“ Bademode kann auch eine Tasche oder Halterung eingearbeitet werden.

Kann der Patient seine berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen?

Der Wiedereintritt ins Berufsleben ist für Stomaträger ein wichtiger Schritt. Die Integration in den Arbeitsprozess gestaltet sich meist problemlos. Jedoch  spielt die körperliche Belastung dabei eine wichtige Rolle. Nach der Operation darf der Patient nicht so schwer heben (bis 5 kg), er sollte außerdem Arbeit vermeiden, bei der die Bauchmuskulatur zu stark beansprucht wird. Helfen können dabei individuell gefertigte Stomabandagen. Bei schwerer körperlicher Arbeit eine Beratung stattfinden und Empfehlungen gegeben werden, wie der Arbeitsprozess gestaltet werden kann.

Wie sollte der Arbeitsplatz gestaltet sein?

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes ist ein weiterer wichtiger Bestandteil bei der Wiedereingliederung in das Berufsleben. Der Arbeitgeber muss dem Stomaträger jederzeit und unter Wahrung der Intimsphäre die Möglichkeit geben, die Versorgung ungestört zu wechseln, ohne dafür die Pausen zu nutzen.

Sollte der Patient seinen Arbeitskollegen von seinem Stoma erzählen?

Viele Stomaträger sind sich nicht sicher, ob sie ihre Arbeitskollegen über ihr Stoma informieren wollen. Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Moderne Stomaversorgungen sind sehr diskret, geräuscharm und sind sehr flach, sodass sie kaum bemerkt werden.  Jedoch ist es in manchen Fällen hilfreich, die Kollegen zu informieren und offen zu sein, um sich am Arbeitsplatz wohl zu fühlen.

Welche Kleidung kann ein Stomapatient tragen?

Als Stomaträger benötigt man keine besondere Kleidung. Für weiße Bürokleidung sind graue Bezüge für den Stomabeutel erhältlich. Viele Anbieter führen verschiedene Bezüge und Muster,  um eine individuelle Anpassung an den Patienten zu gewährleisten.
Spezielle Stoma Unterwäsche von Convatec versteckt den Stomabeutel und ist gleichzeitig sehr bequem und modern.  Eine Innentasche hält den Stomabeutel am Körper und ermöglicht das Tragen von normaler Kleidung. Sie verdeckt den Beutel bis zur Hautschutzplatte, vermindert Reibung zwischen Beutel und der Haut und stützt den Beutel, wenn er sich füllt. Außerdem glättet die Tasche Beulen und verhindert ein ungewolltes Schwingen des Beutels.

 

Tipps für Reisen

Der Stomaträger sollte seinen Urlaubsort nach den eigenen Interessen ausrichten. Dabei ist es generell wichtig, genügend Versorgungsprodukte mitzunehmen. Es sollten doppelt so viel an Hautschutzplatten, Beuteln, Kompressen etc. mitgenommen werden wie im selben Zeitraum zuhause verwendet werden. In warmen Regionen wird die Tragezeit des Beutels durch starkes Schwitzen und häufiges Schwitzen reduziert. Außerdem können die ungewohnte Ernährung (z.B. exotische Früchte, Würzmischungen) oder Magen-Darm-Infektionen einen häufigeren Wechsel erfordern. Kolostomieträger sollten neben Kolostomiebeuteln auch Ausstreifbeutel einpacken.

Auf der Reise sollte ein Reisezertifikat mitgeführt werden, welches durch die deutsche ILCO und von Herstellerfirmen ausgestellt wird. Dieses Dokument erklärt in mehreren Sprachen, dass der Eigentümer ein Stoma trägt und Versorgungsmaterial benötigt. Das Dokument sowie einen persönlichen Stomapass mit Angaben über die Stomaart und das entsprechende Versorgungsmaterial sollte in jedem Fall mitgenommen werden.
Vor dem Urlaub sollte sich der Patient über mögliche Bezugsquellen von Stoma Material informieren.

Zur Benutzung von öffentlichen Toiletten kann der „Behinderten-WC-Toilettenschlüssel“, ein sogenannter Euroschlüssel, gegen eine geringe Gebühr über den CBF Darmstadt e.V. erworben werden. Er ermöglicht durch das einheitliche Schließsystem den Zugang zu behindertengerechten Toiletten an Autobahnraststätten sowie in vielen Städten in Deutschland sowie u.a. in Österreich und der Schweiz. Der Schlüssel steht körperlich beeinträchtigten Menschen zu, darunter fallen  u.a. geh- oder sehbehinderte Menschen oder auch Stomaträgern zu. Behindertentoiletten haben immer ein Waschbecken, sind geräumiger und meistens sauberer als andere öffentliche Toiletten.

Beim Reisen mit dem Auto kann das notwendige Material im Kofferraum transportiert werden. Jedoch sollte das Auto bei längeren Pausen nicht zu starker Hitze oder Kälte ausgesetzt sein, da die Haftfähigkeit des mitgeführten Stomamaterials verringert werden kann. In dem Fall empfiehlt sich eine Kühltasche.
Falls der Sicherheitsgurt genau über oder unmittelbar neben der Stomaanlage verläuft, besteht Verletzungsgefahr. Zur Vorbeugung und zum Schutz kann ein kleines Kissen oder spezielle Stomaprotektoren an der Stelle unter den Gurt geschoben werden.
In den engen Toiletten von Bus, Bahn oder Flugzeug ist der Versorgungswechsel eher schwierig. Daher ist es empfehlenswert, den Wechsel vorher auf engem Raum zu üben. Hilfreich ist ein mobiler Wandhaken zum Aufhängen, darin lassen sich Reisesets verstauen.
Bei Flugreisen sollte ausreichend Versorgungsmaterial für den Flug und die ersten Urlaubstage im Handgepäck verstaut werden. Aufgrund der strengen Sicherheitskontrolle kann auch eine extra Handtasche mit Material mitgeführt werden. Bei der Kontrolle kann es aufwendig sein, alles aus dem Handgepäck zu packen. In manchen Fällen kann es sein, dass die Versorgung bei einer Kontrolle in Anwesenheit von medizinisch qualifizierten Personal gewechselt werden muss.
Im Handgepäck dürfen Reinigungslotionen nur in geringen Mengen (max. 30 ml) mitgeführt werden. Die Versorgung sollte am besten vorgeschnitten werden, da Scheren nicht im Handgepäck mit ins Flugzeug genommen werden dürfen.
Beim Steigflug kommt es zu Druckveränderungen, die Gasausdehnungen mit sich führen können. Dabei kann es unter Umständen zu einer Stuhlausscheidung oder zu einem Ablösen des Stomabeutels durch mehr Darmgas kommen.  Daher ist es ratsam, die Versorgung kurz vor Einstieg in das Flugzeug zu wechseln und eventuell einen größeren Beutel zu verwenden.

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